Und manchmal zerplatzen Träume auch

By annipie

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Ja vielleicht wie eine Seifenblase entlässt uns der Traum auf einmal in die Relaität.

Es fängt eigentlich schon damit an, dass wir vom behüteten Nest in die Schule geschickt werden.

Das nächste behütete Nest. Zumindest werden wir nicht in der Schule zum eigenen Denken und Handeln erzogen, sondern viel mehr zum guten Spicken, Betrügen und auswendig lernen tja und dann. Nach 12 Jahren schmeißt man uns einfach so raus. Und dann sollen wir im Leben stehen. Wie denn, nach 18 Jahren, habe ich doch nichts anderes gemacht, als mich von Muttern bekochen zu lassen, mich von den Lehrern belehren lassen und mein Leben so leben lassen. Das Problem ist das Wort lassen. Lassen lässt mich passiv erscheinen. Da ist es wieder, ich werd es wohl nicht los.

Zurück zum Urproblem. Also, da stehen wir aufeinmal im Leben, haben von nichts ne Ahnung und denken mit der besten Schulbildung stehen mir ja jetzt alle Träume offen. Hm, tja und dann überlegt man erstmal was das eigentlich sein soll. Der Traum von DEM Leben.

Niemand, aber auch wirklich niemand macht uns für dieses Leben fertig. Was musst du machen, was kannst du machen und wie machst du alles besser.

Naja, jetzt steh ich hier, hatte mal einen Traum, aber Seifenblasen zerplatzen halt.

Ich habe derzeit leider nichts zu berichten aus Polen. Der Grund, ich wüsste nicht was. Ich arbeite einfach nicht. Ja natürlich ab und zu ein Spaziergang oder eine Unterhaltung und auch mal sonnige Tage dazwischen, wo ich auch mal jemanden füttern darf, aber so prinzipiell. Wo soll meine Aufgabe sein. War es nicht mal eine Seifenblase sozial zu sein. Einmal die Woche arbeite ich dann doch, aber im Büro. Ich übersetze, sotiere und schreder den ganzen Tag. Das ist aber auch herrlich anstrengend. Übersetzungen sind das schlimmste und überhaupt sind die total pingelik, aber vielleicht lerne ich so sorgfältiger zu werden und mir meine Produkte am Ende auch noch mal dreimal durchzulesen. Knochenjob, aber wenigstens was zu tun. Das einzig wahre, richtig anstrengende ist diese Sprache. Ach du meine Güte. Es ist nicht nur so, dass jedes Adjekiv eine weibliche, männliche, sächliche Form hat, nein man dekliniert auch Nomen, Namen und überhaupt alles. Es gibt sechs Fälle, das ist ja noch ok, aber alles von 1-3 wird im Substantiv anders deklinert als das von 5-21 und von vorn. Wenn ich Gramm sage, dann meinen die Wodkaeinheiten und wenn ich ein Gramm will, dann sind das deka und in zehner Schritten. Diese Sprache ist die reinste Hölle. Das mit dem verstehen klappt sehr gut, aber das mit dem Sprechen. Es ist eine reine Glückssache, ob man gerade den Fall oder was auch immer trifft. Die reine Katastrophe. Dziwny.

Und sonst so. Nic nowego.

Jedoch war ich jetzt letztens in der Oper.

Faust von Gonoud. Es war schrecklich. Schrecklich. Schrecklich. Ich wusste ja bereits, dass die Oper auf französisch sein würde, das schreckte mich also nicht mehr ab, aber diese Oper. Die Akustik ist zum heulen. Man hört gar nichts. Das Orchester stand ständig über dem Gesang der Sänger. Ich bin mir gar nicht mal mehr sicher, ob ich überhaupt Gesang gehört habe. Furchtbar. Vielleicht lag es auch an den Sängern. Aber diese miese Akustik. Nein wirklich.

Ich versuche es noch einmal, aber danach gebe ich es auch auf, denn ich habe ja auch immernoch das Problem, dass wenn ich später zur Tabita komme, dass ich ausgeschlossen bin und der scheiß Pförtner immer ne halbe Stunde braucht, bis er aufschließt. Das heißt eine halbe Stunde im kalten. Wohl heut schönerweise 20 Grad waren. Auch nicht so ganz normal für Polen.

Ach ja, wenigstens die Männer sind wirklich was gutes. Also nicht das sie mich interessieren würden, aber mir gefällt, dass die Männer hier hoffnungslos romantisch, zuvorkommend nach der alten Schule sind und etwas vom flirten verstehen, auch wenn sie meistens viel zu früh schon eh verheiratet sind. Das macht sie wieder unsympathisch. Aber zumindest habe ich was gutes gefunden. Nun ja. Dieses Wochenende ist großer Feiertag in Polen. Allerheiligen. Es gibt schon Sonderzug und Buspläne zu den Friedhöfen. Das muss wohl der absolute Hammer werden und ich werde mich auch unters polnische Volk mischen. Morgen geh ich erst mal im Park entspannen und dann mal schauen, was das Wochenende noch so an Partys bringt.

Das darauf folgende Weekend ist wieder frei. Nationalfeiertag. Langes Wochenende. Das heißt ich werd mal nach Krakau fahren und die anderen treffen- Vielleicht lenkt mich das ab, von meiner nicht so rosigen Situation.

Es nervt mich einfach, nur weil ich die scheiß Sprache nicht auf anhieb sprechen kann, muss man noch lange nicht über mich ablästern, dass ich dumm wäre und eh nichts kann, vorallem wenn ich die Sprache die gesprochen wird ja sogar verstehen kann, aber gut, das kommt mir ja auch bekannt vor. Vielleicht wachse ich mit meinen Aufgaben, aber derzeit wächst maximal meine Konfektionsgröße vom Frust fressen.

Entschuldigung für die überwiegend schlechten Nachrichten, aber ich hoffe immernoch auf Besserung…

P.S. Wenigstens hab ich heut gesehen wo für man lebt. Für die vielen kleinen schönen Dinge im Leben…

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