Arbeitssteps

By annipie

Der erste Arbeitstag, oder besser gesagt, der erste Tag, wo ich mich versucht habe selbst zu beschäftigen. Zumindest bin ich nach Arbeitszeit um acht aufgestanden. Nichts. Nichts zu tun. Dann bin ich wieder hochgegangen. Bin zum Frühstück wieder gekommen. Nichts zu tun. Dann hab ich mal gefragt, was ich hier eigentlich machen soll. Dann durfte ich einen älteren Herren füttern, aber das sollte ich dann doch wieder nicht tun, als die Ehefrau kam und sie mir das auf polnisch versuchte zu erklären und letztendlich ihre Tochter angerufen hat, die mir das auf englisch erklärt hat. Wie ernüchternd. Das also auch nicht. Dann durfte ich eine andere ältere Dame füttern, sie konnte sogar deutsch, wie fast alle älteren Damen. Das hab ich zwar auch nicht so richtig gemacht, aber besser als gar nichts. Dann bin ich mit zur Maltherapie. Als dort die Frauen gehört haben, dass ich aus Deutschland komme und aus Dresden, fingen sie erst einmal an von ihren KZ-Erfahrungen zu sprechen. Mist, sie hassen mich. Aber auch dort nur völlige langeweile. Bin danach zum Direktor. Der redete mit mir aucht nicht. Der laberte mich auf polnisch zu, obwohl er weiß, dass ich es nicht kann und er auch englisch sprechen kann. Sinnlos, das heißt ich weiß immernoch nicht, wann ich arbeiten soll, was ich arbeiten soll und ob es hier eine Waschmaschine gibt. Zum heulen. Zumindest soll ich jetzt immer mit zwei Personen rausgehen, beides ehemalige Pfarrer. Die eine kann sehr gut deutsch und ist 95 und ich kann mich wunderbar mit ihr unterhalten. Das hat meine Laune etwas aufgemuntert. Hab dann Ela angerufen, weil ich noch den Sprachkurs machen muss. Zumindest heut nach Warschau. Aber ob ich hier gebraucht werde. Tja das Gefühl verspüre ich noch nicht so richtig. Schade…

So und mein zweiter Arbeitstag. Also ehrlich ich habe nichts gemacht. Und nach einer langen Zeit der Sinnlosigkeit habe ich mich entschieden nach Warschau zu fahren. Hab mich dort bei der Uni Immatrikuliert..Naja eben zum Sprachkurs angemeldet…Danach war ich im Buero. Karin konnte mich ein wenig aufmuntern von meiner schwierigen Arbeitslage. Ela wird alles hoffentlich schon richten. Sie will mit Waldemar reden, dass er mir erst mal zeigt, wo ich ueberhaupt lebe und was ich zu tun habe. Ich soll zumindest mithelfen beim Essenausgeben, dann spazieren gehen und bei der Ergotherapie mithelfen.

In Polen geht alles ein wenig langsamer. Ist sehr ungewohnt fuer mich. Ich mit meinen deutschen Tugenden. Schlimm ist das. Aber gut, so habe ich viel Freizeit. Die werde ich noch in was investieren denke ich, auch wenn ich noch nicht weiss in was. Derzeit bin ich Computerspielsuechtig und DVD-Abhaengig. Gestern habe ich sogar noch polnisch gelernt. Sonntags ist dann fuer mich immer Kindergottesdienst und mit der Zeit Abends eventuell sogar Schulunterricht. Mal schauen was kommt. Hauptsache ich habe was zu tun. Sonst werde ich als einsame Pflanze sterben.

Was ich trotzdem nicht verstehen werde ist, warum hier niemand eine Fremdsprache spricht. Sowas sollte man per Gesetz erlassen. Was solls. Mal schauen was kommt. Am Wochenende kommen zumindest schon mal meine Innenarchitektin (alias die Mutter) und meine Waermflasche (alias der Freun)…

Der erste Besuch ever…Freeuuu und dann am Donnerstag Nosfretatu mit Platzeck. Hrhrhr. Seit langem mal deutsche Politik um mich herum. Moegen alle ihren Tag der deutschen Einheit gut verbringen. Ich tue es mit Kultur und einem guten Hesse…

Bis dahin meine Freunde..Bis dahin…

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