Es ist soweit. Seit gut einer halben Stunde sitze ich im EC nach Warschau. Der erste Akt mit dem Auto nach Berlin zu kommen, ist ja nun auch geschafft. Immerhin, der Zug hatte noch nicht mal Verspätung, was glaub ich für die Bahn schon ein Sonderfall ist. Dafür zahlen wir zwar 60 Euro Parkplatzgebühr, aber was solls.
Die letzten Tage waren wahrlich noch aufregend und aufrührend.
Am Samstag die große Abschiedsfeier mit allen Leuten, die wichtig sind. Das war wirklich schön und hilfreich, um sich noch mal verabschieden zu können.
Am Sonntag morgen wurde ich dann noch mal zum Seminar gezwungen. Mein viertes Seminar zu diesem Auslandsjahr. Ich habe bald das Gefühl, dass ich allein nur wegen dem ganzen Psychosomatik Quatsch bei den Seminaren das Jahr abbrechen werde. Da bekommt mein ein wahres Burn out.
Was solls, immerhin bot sich so die Gelegenheit, noch mal ins Kino in Erfurt zu gehen und Batman anzuschauen. Ist wirklich sehr empfehlenswert.
Gott sei Dank wurde ich jedoch am Dienstag schon wieder vom Seminar entlassen.
Der Abend wurde noch beim Italiener verbracht, um am nächsten Tag zum Shoppen und Reisepassabholen durchzustarten.
Die wahre Energie forderte jedoch noch der 11.September, Mutter-Geburtstag.
Es gab viel zu viel Gutes deutsches Essen. Da muss man erstens die Angst pflegen dick zu werden und zweitens nun endgültig sich dem polnischen Essen zu verweigern.
Am Freitag ging es nun also los. Nachdem ich noch Hals über Kopf mein Koffer gepackt habe, weil das habe ich irgendwie die ganze Zeit davor immer vor mich hin geschoben, vielleicht weil damit die Abreise endgültig wurde.
Mein Verabschiedungskomitee bestehend aus Linda und Jens haben mir die letzten Minuten der Heimat noch versüßt und so wird es nun einem wirklich schwer ums Herz.
Natürlich frage ich mich die ganze Zeit, ob es wirklich so die brennend beste Idee ist, nach Polen zu gehen.
Nicht nur, dass ich das Land eigentlich eher ein wenig beschränkt finde (und das nicht nur wegen der dortigen Politik), (aber vielleicht ist genau die Tatsache, dass das Land nicht so einem bekannt ist, gerade das beste um es kennen zu lernen), sondern auch, weil man die Angst pflegt, dass es vielleicht schief geht. Dass ich wieder zurückkomme und da ist nichts mehr so wie vorher. Meine Freunde, Freund weg und vielleicht die Familie ganz verändert. Scheiße ey, jetzt, wo die Grenze vor meinen Füßen liegt, da will ich nicht mehr. Großes Mist,Mist,Mist. Man kann es nur hoffen, dass es besser wird. Wird es ja wohl auch hoffentlich. Scheiße ist natürlich auch, dass unklar bleibt, wie das nun mit der Abholung von meiner Tutorin wird. Irgendwie gibt’s nur Schwierigkeiten von Anfang an mit den Polen. Naja jetzt sind wir schon in Frankfurt Oder und heut Abend dann in Warschau. Mal gucken, was das Leben bringt.
So, da ich ja bekanntlicher weise erst mal kein Internet habe, schreib ich erst mal nur so herrlich für mich und eines Tages vielleicht einen Internetzugang finde…
Aaaallssoo.Wir haben nun von Freitag bis Sonntag schon in Warschau abgehangen.
Mit Eltern und Freund, war das echt noch mal richtig schön, so zum Schluss.
Wir haben viel gesehen, also von den Einkaufszentren. Hrm und wir waren beim jüdischen Festival, dem Warschau-Singer-Festival in der letzten jüdischen Straße von Warschau. Das war wirklich beeindruckend. Also ich mein nicht nur die Musik, Kunst und das Essen, sondern auch die Vorstellung, dass hier die Menschen lebten, bevor sie abtransportiert wurden. Das ist echt ein etwas komisches Verhältnis in Warschau. Das ständige Verständnis der Vergangenheit. Zahlreiche Denkmäler, die an die Nazis erinnert und an deren Schandtat. Ich bin mir leider noch nicht so richtig schlüssig, ob man als Deutscher hier überhaupt sein darf. Es verfolgt einem ständig die Schuld der älteren Generationen. Ich fühle mich natürlich dem nicht schuldig, aber irgendwie verantwortlich. Ich werde die Tage mal auf den Spuren der Juden wandern, um vielleicht mehr zu verstehen. Überhaupt hab ich noch sooo viel vor. Ich hab schon zwei Zettel voll mit dem, was ich noch sehen und machen will. Da stehen jedoch noch nicht die Sehenswürdigkeiten in der Umgebung drauf. Zumindest hab ich jetzt alle meine Lieben verabschiedet. Es war schwer, aber wenn man nicht daran denkt, kann es auch einem nicht in Besitz nehmen.
Wir sehen uns wieder, ich denke sogar bald und Ostern ist hier großes Beethoven-Festival. Immer wieder eine gute Gelegenheit.
Diese Woche bin ich jetzt erst mal in meinem eigentlichen Arbeitsort Konstancin zum Seminar. Mit alten Bekannten versteht sich und natürlich auf Englisch. Zum heulen.
Danach geht’s nach Warschau zurück zum Seminar. In eine voll kuhle Wohnung, was auch zu beginn meine sein wird, da mein eigentlicher Wohnungsort noch gebaut wird. Tjaja mein Altersheim wird ausgebaut. Gut gut, aber eins nach dem anderen. Also meine Tutorin ist voll nett. Die Wohnung ist eine Studentenbutze von Theologiestudenten gegenüber dem Erzbischofswohnung von Warschau. Jepp ich habe den direkten Blick auf die Katholiken. Es sind zweier Zimmer, aber ich weiß ja auch noch nicht genau was wird.
Zumindest ist das in der Tat alles sehr aufregend. Sprachkurs gibt’s dann in der Uni, sicherlich auch auf Englisch. An das Tramnetz muss ich mich zwar noch gewöhnen und auch daran, dass man nicht unerlaubt über Straßen gehen darf (mein erster toller Kontakt mit der Polizei).
Es ist einiges anders und schwierig, aber da muss man wohl mal zurückstecken können und mal schauen. Ich verspreche hiermit auch offiziell demnächst nicht mehr so viel gebündelt zu schreiben. Das bleibt die Ausnahme, versprochen.
Aber ich habe noch viel zu sehen. Ich werde berichten.
Alle zu Hause gebliebenen wünsche ich aaaallllless erdenklich gute.
Kuss an Linda…
Bussl an Thekla und Mary und auch Johann^^
Alles liebe an meine liebste Helen und dem Phil.
Knuddl an Mum and Dad, p.s. Es gibt eine Indoorgolfhalle
Und ein ganz fetten Schmatz an meinen Süßen Richard…
Bis dann, Eure Anni…
Meine E-Mail für Nachfragen: Ann-Kathrin_Biewener@web.de
P.S…Ich habe Angst zu Fett zu werden, abgesehen von dem, was ich schon drauf habe…
Ich kann mich jedoch für keine Sportart entscheiden…Kann mir jemand eine Empfehlen im kalten Osten??
Wisst ihr was…Ich habe das wirklich wahre Problem der Welt entdeckt.
Wer kann schon im betrunkenen Zustand Englisch reden?
Geschweige denn Verstehen?. Ich sehe darin ein wahrlich schwieriges Problem und nun seh ich, worin das politische Problem besteht. Wodka und Rotwein. Sobald ein Korrespodent zu viel trinkt, wird alles seeehr schnell komplett anders verstanden.
Was lernen wir daraus..Gar nicht erst zu diplomatischen Treffen treffen.
Heute den ersten Kontakt mit der Zivilisation gehabt. Nachdem wir erstmal eine Einheit Polen und seine Eigenschaften gemacht haben, ja auch in Polen wird geklaut…Durften wir feststellen, dass wir heute Freigang bekommen. Freigang bedeutet ein Tag in Polen..Und was haben wir da so gemacht. Um ehrlich zu sein, nicht viel. Wir waren shoppen und hatten viel zu oft Kontakt mit polnischen Mitbürgern, die kein Englisch können. Was solls. Eigentlich sollten wir unter nem Thema in die Stadt. Hm irgendwie haben wir das nicht geschafft. Also was lernen wir daraus, lasst uns nicht allein in einer Großstadt. Zumindest haben wir nach stundenlangen Querereien dann ein Internetcafe gefunden. Enlich wieder chatten. Was für eine Wohltat und Gott segne noch alles klar an der Front. Wie dem auch sei. Ich vermisse euch schon ganz schön heftig…Wir sind jetzt auch schon wieder die ersten aus Warschau, aber es war auch scheiße kalt. Sibirisch um das so mal zu sagen.
Scheiße ey, wie auch immer man das überstehen soll….
Bis dahin, machts erst mal gut…
September 17, 2008 um 6:48 |
Das klingt doch schonmal ein guter Anfang.
Würde mich freuen, mehr von dir zu lesen. Bis bald.